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Jenseits der Komfortzone

Rund 50 Jugendliche aus der Schweiz und aus Albanien schuften auf biologischen Feldern, um ein Arbeitsprojekt der Kirche vor Ort zu unterstützen – und lernen den Glaubensreichtum des Landes kennen.

“Seek desconfort – suche das Unbequeme” – unter diesem selbstgewählten Motto haben sich in den Sommerferien 29 Jugendliche und Begleitpersonen aus der italienischen Schweiz, Bern und Zürich während zehn Tagen in einem Workcamp in Albanien engagiert, einem der ärmsten Länder in Europa. Zusammen mit 23 Jugendlichen und Begleitpersonen aus Albanien arbeiteten sie auf den Feldern des sozial-landwirtschaftlichen Projektes der Kirche vor Ort in Bizë. Hier werden meist mittellose Frauen der Umgebung in biologischem und effizientem Landbau geschult und können ihr Wissen dann in den eigenen Gärten anwenden, das Gemüse und die Früchte für die eigene Familie verwenden oder durch Verkauf etwas dazu verdienen.

Drei der jungen Teilnehmenden, Ester Caretti, Daniela Faria Carvalho und Gabriele Bianchi schreiben: “Nach dem erfolgreichen Workcamp in Litauen vor zwei Jahren reisten wir Ende Juli für zehn Tage nach Albanien, ins Dörfchen Bizë, das mitten in einer wunderschönen Natur mit Blick auf das Meer liegt. Dort haben uns die Jugendlichen aus Albanien mit Tänzen und köstlichen Früchten sehr herzlich empfangen. Zu Beginn kannten wir uns nicht und wir waren eher schüchtern. Mit der Zeit und mit den länderdurchmischten Arbeitsgruppen änderte sich dies. Wir wuschen gemeinsam die Teller ab, halfen beim Kochen, bereiteten Inputs für den Tag und das Abendgebet vor. Zudem arbeiteten wir in Bio-Feldern, in denen Rosmarin, Lorbeer und verschiedene Früchte wuchsen. Diese gemeinsam verbrachten Momente ermöglichten uns, uns gegenseitig besser kennen zu lernen und Freundschaften zu schliessen.

Zudem standen Ausflüge in historische Städte und Regionen, Momente des Tiefgangs mit Gott, Sport, Musik, Spiele, Lagerfeuer und Schwimmen im Meer auf dem Programm.

Am ersten Tag besuchten wir sogleich die Hauptstadt Albaniens, Tirana, wo wir den orthodoxen Bischof kennenlernten, der sehr weltoffen ist und uns in die Bedeutung von Ikonen einführte. Anschliessend besuchten wir die Stadt Kruja, um die Geschichte Albaniens und deren Nationalhelden kennen zu lernen.

Wir waren auch in Shkodra. Das ist eine Stadt im Norden von Albanien, in der viele Katholiken wohnen. Während den 40 Jahren unter dem Kommunismus wurden dort viele Christen verfolgt. Eine Klarissin erzählte uns ihre persönliche und eindrückliche Geschichte unter jenem streng geführten Regime und wie ihre Eltern trotz grossen Gefahren den Glauben lebten und im Versteckten weitergaben. Da das Klarissenkloster zu jener Zeit das Hauptrevier der Geheimpolizei war, besichtigten wir anschliessend die Gefängnisse und Folterkammern dort, wo viele Märtyrer und eine Märtyrerin gestorben sind.

Kastanienbäume für eine gesunde Umwelt

An einem anderen Tag lernten wir die Stadt Puka kennen. Das ist eine sehr arme, wenig besuchte und gebirgige Region im Norden Albaniens. Eine junge Familie hat uns mit einem üppigen Mittagessen mit Spezialitäten jener Region empfangen. Dort berichtete Alfred, ein junger Rechtsanwalt, wie er mit Freunden ein Aufforstungsprojekt mit Kastanienbäumen gestartet hat; denn während des Kommunismus fand hier eine willkürliche Baumrodung statt, die bis heute Schlammlawinen verursacht. Wir entschieden, dieses Projekt mit den in der Schweiz gesammelten Spenden zu unterstützen.

Jeden Tag schlossen wir mit einem Gebet ab, in dem wir unsere Anliegen und die Lebenssituationen, die wir kennen lernten, Gott anvertrauten.

Praktisch alle Teilnehmenden teilten den Wunsch, einen solchen Arbeitseinsatz und kulturellen Austausch zu wiederholen.“