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Migration – Herausforderung und Perspektiven

Der Globale Pakt für Migration, der in der Schweiz für Diskussionen sorgt, war eines der Themen an der Tagung, zu der Internationale Organisationen, interreligiöse und christliche Gruppen – darunter die Fokolar-Bewegung -  am 7. April in Genf einluden.

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Unübersehbar waren die vielen bunten Farben im Genfer Kongresszentrum „Maison Internationale des Associaations“: Menschen verschiedenster Herkunft trafen sich zur Information und zum Austausch miteinadner. Höhepunkte des Tages waren ein Podiumsgespräch, Erfahrungsberichte von Migranten, ein interkultureller Aperitif und ein Musikfestival.

Am Podiumsgespräch zum Thema „Migrationsrouten, Herausforderungen und Perspektiven“ sprachen Vertreter der Internationalen Organisation für Migration (IOM), das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR), die Internationale Katholische Migrationskommission (CICM), das General Hospiz Genf und das Amt der Integration für Ausländer (BIE).

Maurizio Busatti vom IOM, erklärte: "Menschliche Gesellschaften sind durch Mobilität entstanden, es ist ein natürliches Phänomen." Er fügte hinzu: "Wovor haben wir Angst?" Nagette Belgacem, leitender Rechtsberater des UNHCR, sagt: „Wenn wir die Zahl der Flüchtlinge in der EU im Vergleich zur Zahl der Flüchtlinge in den Nachbarländern sehen, müssen wir die Frage der Migration entpolitisieren.“ Stéphane Jaquemet, Politischer Direktor im CICM erklärte, dass der Globale Pakt für Migration aus dem Wunsch entstand, alle Länder in eine Diskussion über Migration miteinzubeziehen: „Es geht um Zusammenarbeit, ohne dabei ein Programm vorzuschreiben. In angespannten, politischen Situationen ist es schwierig, positiv von Migranten zu sprechen. Der große Fehler war, dass Länder Abkommen ausgehandelt haben, ohne die Bevölkerung über ihre internationalen Diskussionen zu informieren".

Gegen die kollektive Heuchelei

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Auf lokaler Ebene engagiert ist Frau Ariane Daniel Merkelbach, Leiterin der Hilfe für Migranten im Hospice Général in Genf: „Wir suchen zunächst eine Unterkunft für die Migranten“, sagte sie. "Die Koffer auspacken bedeutet, ein Dach haben, etwas zum Essen, sich sicher und willkommen fühlen und an etwas Anderes als an die Flucht denken. Es gibt viele Schwierigkeiten, aber wir arbeiten mit vielen Partnern zusammen “.

Nicolas Roguet, Beauftragter für Integration im Kanton Genf, erklärte das Papyrus-Projekt: "In Genf gibt es eine Bevölkerung, die für niemanden existiert, ein ‚Volk ohne Rechtsstatus’, ‚Sans-Papiers’ genannt. Es braucht politischen Willen, um ihren Status zu normalisieren. Wenn wir das nicht tun, leben wir in einer großen, kollektiven Heuchelei. Denn diese Menschen werden als illegale Arbeitskräft gebraucht. Wer Menschen anstellt, hat auch Pflichten!“ Das Papyrus-Projekt konnte bis jetzt für 1500 Menschen ohne Rechtsstatuns eine B-Bewilligung erreichen, gesamthaft sollen bis zu 3000 Sans-Papiers in eine normalisierte Situation überführt werden.

Erfahrungen, Musik und Kulinarik

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Am Nachmittag ergriffen verschiedene Migrantinnen, die sich auf ihrem Weg zur Integration befinden, das Wort: ein chilenisches Ehepaar, zwei Frauen aus "Frauenverbänden im Dienste anderer Frauen" und eine Frau aus Syrien, die aus ihrem Land geflohen ist und dabei von der Terror-Organisation IS gefangen wurde. Inzwischen konnte sie freikommen und wurde bei Familienangehörigen, die bereits in Genf leben, aufgenommen. Eine Ausstellung mit Fotos und Gemälden zeigte senegalesische Familien, die in Griechenland leben.

Gerichte und Spezialitäten aus der ganzen Welt haben der gesamten Veranstaltung Farbe und Geschmack verliehen. Ein Musikfestival schloss den Tag. Zwischen dem traditionellen Klang eines Alphorns und albanischen Tänzen liess Keren Esther einen Hauch von Folk aus einem jüdisch-spanisches Universum erklingen.

Die Veranstaltung wurde von verschiedenen in Genf ansässigen Institutionen, Verbänden und NGOs organisiert, darunter der Ökumenische Rat der Kirchen, die Genfer Interreligiöse Plattform (PFIR), die Albanische Volksuniversität, die NGO-Initiativen, die Internationale Katholische Migrationskommission  (CICM), die Fondation Inter-Knowing, die Fondation Islamique et Culturelle d‘Ahl-El-Beit(S) und die Fokolar-Bewegung.

von Camille Vianin /ÖRK (© Text und Fotos) Übersetzung: Fokolar-Bewegung